«Damit wir die Menschen nicht allein lassen» – Ein Rückblick auf das Forum Ehe+Familie vom 13. November 2020

Wie können Kirchen Beziehungen fördern? Welche Rolle spielen Fachorganisationen dabei? Wie können Eltern ihre Kinder im Glauben stärken? Gerade in der aktuellen Pandemie werden Ehen, Familien und Freundschaften auf die Probe gestellt. Im Online-Forum Ehe+Familie mit dem Titel «Gemeinsam für starke Ehen und Familien» wurde diskutiert, wie Kirchen mit eigenen Angeboten und mit Fachorganisationen Menschen in ihren Beziehungen unterstützen können. SEA-Generalsekretär Marc Jost moderierte durch die Referate und das Podium.

Zum Einstieg ermöglichte Susanna Aerne, Bildungsleiterin beim Schweizerischen Weissen Kreuz, einen Einblick in die Angebote und Kompetenzen einer Fachorganisation, vor allem in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Kirchen: «Jede Kirchgemeinde braucht regelmässige Ehe-Seminare und muss über Sexualität sprechen können, damit wir die Menschen nicht allein lassen.» Christa Gasser von der Vineyard Bern ermutigte dazu, die Angebote der Kirche auch zu nutzen. An einem Beispiel erläuterte sie, dass das Annehmen von Hilfe und Unterstützung in Familien- und Ehefragen eine Normalität werden müsse: «Auch in diesen Dingen ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen.» Als Verantwortliche im Bereich Ehe und Familie in der eigenen Gemeinde könne man dazu beitragen, eine solche Atmosphäre der Normalität mitzugestalten.

Das Forum Ehe+Familie, eine Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Evangelischen Allianz, nimmt seinen Auftrag der Vernetzung wahr, indem es eine Möglichkeit des persönlichen Austauschs zwischen Fachorganisationen und Kirchen schafft. Es existiere von beiden Seiten eine grosse Offenheit zur Zusammenarbeit, hielt Marc Bareth, Leiter von FAMILYLIFE bei Campus für Christus, fest.

Orange – statt rot und gelb – denken

Wie Eltern ihre Kinder im Glauben stärken können, veranschaulichte Hans Forrer von «Orange leben» mit dem Bild, das dieser Organisation den Namen gegeben hat: Die Gemeinde als Licht der Welt «gelb» und die Liebe der Familie «rot» wollen das Kind im Glauben unterstützen. Oftmals jedoch findet zwischen der Familie und der Kirche kein Dialog statt, obwohl sie dasselbe Ziel vor Augen haben. Hans Forrer nimmt so eine Brückenfunktion zwischen beiden Beteiligten ein. «Eigentlich sollten sie lieber orange denken, statt rot und gelb.»

Die Eltern sollten nicht zur Gemeinde gehen und ihr die Glaubensvermittlung überlassen müssen. Die Kirche müsse zu den Eltern gehen und sie befähigen, die Kinder im Alltag im Glauben zu stärken. Denn was Zuhause geschehe, werde die Kinder viel stärker prägen, als was sie in der Gemeinde lernen. Dazu reichten oft schon kleine Dinge, die dem Kind den praktischen Glauben nachhaltig einprägen – zum Beispiel das regelmässige Segnen, bevor der Schultag beginnt.

Im Talk wurde das Zusammenspiel von Eltern und Gemeinden im Auftrag, das Kind im Glauben zu festigen, wieder aufgenommen. Dazu sagte Christa Gasser: «Glaubensvermittlung ist Lebensvermittlung!» Es sei schliesslich nicht einfach ein Auswendiglernen des ABCs; der Glaube müsse Zuhause gelebt werden, damit er konkret werde. Darauf erzählte Peter Schneeberger, Präsident des Freikirchenverbands, aus seiner eigenen Erfahrung, dass die Distanz zwischen Eltern und Gemeinde nicht immer so gross sein müsse. Es helfe, wenn sich die Kinder, wie ihre Eltern, aktiv in der Kirche engagieren und mitarbeiten.

Abschliessend konnten Tipps für Eltern ausgetauscht werden, wie in Zeiten von Corona Zuhause Glaube gelebt werden kann. Hans Forrer betonte, dass ein Angebot der Kirche sein könne, eine Plattform zu sein, um einen Austausch unter Eltern zu ermöglichen. So könnten sie individuell wählen, was sie in ihrer eigenen Familie praktizieren wollen.

Das nächste Forum findet am Freitag, 12. März 2021 statt. Das Thema lautet voraussichtlich: «Stress lass nach – Familien entlasten».

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